Hebammenkreißsaal Natürlich und selbstbestimmt gebären

Neues Betreuungskonzept für Schwangere

Grünes Licht für den Hebammenkreißsaal an der Filderklinik: Der Förderantrag wurde vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration genehmigt. Unsere pflegerische Leiterin des Perinatalzentrums, Alexandra Sperling, erzählt uns im Interview, worum es geht.

Was ist ein Hebammenkreißsaal?
»Der Hebammenkreißsaal ist räumlich gesehen kein spezieller Kreißsaal, sondern ein zusätzliches Betreuungskonzept für Schwangere. Durch die Implementierung eines Hebammenkreißsaals erweitern wir unser geburtshilfliches Angebot innerhalb unserer Klinik um eine hebammengeleitete, interventionsarme Betreuung.« 

Die Filderklinik ist ja ohnehin schon für ihre interventionsarme Geburtshilfe bekannt. Worin genau besteht die Neuerung?
»Ähnlich wie bei einer Hausgeburt wird der Schwangeren ermöglicht, ihren Geburtsprozess so selbstbestimmt wie möglich zu erleben. Wenn keine Geburtsrisiken auftreten, wird sie im Hebammenkreißsaal ausschließlich von einer Hebamme begleitet, mit Fokus auf nicht-medizinischen Methoden wie Massagen, Wärme oder Atemtechniken. Trotzdem haben die Frauen die Sicherheit, dass im Fall von Komplikationen sofort die notwendige medizinische Infrastruktur unseres Perinatalzentrums vorhanden ist. Kommt es im Verlauf der Geburt im Hebammenkreißsaal zu Komplikationen und es wird medizinisches Eingreifen nötig, stehen sofort unsere Ärzte sowie das nötige Equipment parat. Die Gebärende muss dafür weder den Raum noch die sie betreuende Hebamme wechseln.«

Kann jede Schwangere auf Wunsch im Hebammenkreißsaal gebären?
»Nein. Das Angebot richtet sich an gesunde Frauen mit unauffälliger, physiologischer Schwangerschaft, die eine selbstbestimmte, natürliche Geburt ohne Interventionen wie z.B. starke Schmerzmittel erleben wollen. Der Hebammenkreißsaal eignet sich daher z.B. nicht für Frauen, die aus Beckenendlage gebären wollen oder bei Geburten von Mehrlingen. Hier muss die Betreuung in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit unseren Frauenärzten stattfinden. Ebenso, wenn stärkere Schmerzmittel bzw. eine PDA notwendig werden.« 

Wer entscheidet dann, ob eine Frau zur Geburt in den Hebammenkreißsaal kommen kann?
»Für die Geburt im Hebammenkreißsaal sind zwei Sprechstundentermine bei uns in der Klinik notwendig. Bereits während der Schwangerschaft werden so wichtige Daten und die Wünsche der Schwangeren bezüglich der Geburt erhoben.« 

Welchen Vorteil bietet das Konzept uns als Klinik?
»Für uns bietet das Konzept den Vorteil, dass wir Frauen schon vor der Entbindung an unser Haus binden. Gleichzeitig stärkt das Konzept auch die Bedeutung der Hebammen in der Geburtshilfe. Es bietet ihnen ein erfüllendes Arbeitsumfeld, in dem sie ihre Fachkenntnisse selbstständig und eigenverantwortlich einsetzen können.«

Wie sieht der zeitliche Rahmen des Projekts aus?
»Wir sind jetzt im November gestartet. Wir werden nun bestehende Abläufe, Strukturen und Prozesse überprüfen und einen Kriterienkatalog für die Geburten im Hebammenkreißsaal erarbeiten. Unser Ziel ist es, 2026 mindestens 200 Geburten im Hebammenkreißsaal durchzuführen. Das Projekt läuft erstmal bis April 2027. Bis dahin möchten wir den Hebammenkreißsaal auch zertifizieren lassen.«

Hier gibt es weitere Infos zum Hebammenkreißsaal